Beste Unterhaltung gab es vorgestern Abend am Fernseher, auch für Menschen, die eigentlich keine Fußballfans sind. Erst gab es eine effektvolle Lightshow, dann einen Platzsturm vor Spielende. Leider weiß man als Fußballfan dann auch schon vorher, das man am nächsten Tag in der Presse nicht mehr so viel zu lachen hat.
Angefangen bei der Pyroaktion auf beiden Seiten nach dem 2:1 für Fortuna Düsseldorf. Dabei wurden vor allem auf Berliner Seite auch massenhaft Bengalos auf den Platz geworfen. Bei den Gästefans natürlich ganz klar eine Frust-Aktion, schließlich steht man mit 1 3/4 Beinen in der zweiten Liga. Was man sich davon verspricht, dies so zu äußern, sei einmal als Frage in die Runde geworfen. Hier entsteht dann auch absolut ein Risiko durch die Pyroaktion, denn es wird billigend in Kauf genommen bei den Würfen in den Innenraum Spieler, Ordner oder sonstige dort anwesenden Personen zu treffen. Auf Heimseite das genaue Gegenteil, die Aktion ein Ausdruck der Freude über die fast sichere Rückkehr in die Bundesliga. Wer mich kennt weiß das ich durchaus pro Pyro bin. Das Ganze sieht gut aus und die angeblich so gigantisch große Gefahr hält sich normalerweise in Grenzen. Dies soll nicht heißen sie existiert nicht, natürlich ist beim kontrollierten Zünden immer auch ein Restrisiko vorhanden. Aber auch ich stand schon oft genug bei Pyroaktionen in direkter Umgebung und spürte weder eine Gefahr für mich, noch wurden dabei jemals Leute verletzt (was wiederum nicht heißt, das es nicht möglich wäre). Während man aber auf Berliner Seite immerhin noch den Grund nachvollziehen kann, warum denn die Pyro’s in den Innenraum flogen (was wie oben schon angeschnitten dennoch auch für mich ein No-Go ist – Pyro ist so lange geil, wie dadurch keine Personen unnötig gefährdet werden), muss man doch auf Fortuna-Seite fragen: Warum bitte wirft man in dieser Situation Bengalos in den Innenraum?

Symbolbild: Chemnitzer Pyroshow beim Heimspiel gegen Saarbrücken
Hier sei aber auch ein Stein an den DFB geworfen: Ein großer Reiz und auch mit der Hauptgrund für das Restrisiko bei Pyroaktionen ist das Verbot und daraus resultierend das unkontrollierte Zünden. Die Gespräche für ein ermöglichen des kontrollierten Abbrennens waren da, wurden vom DFB aber aus fadenscheinigen Gründen abgebrochen. So setzt man statt auf die sinnvolle Variante, Pyrotechnik zumindest für einen Testzeitraum kontrolliert zu erlauben, weiterhin auf sinnlose Repression, wie beispielsweise Geldstrafen für die Vereine, welche die Verursacher aber nur interessieren, wenn sie selbst überführt werden können. Ein fortgeschrittenes Beispiel ist auch das Geisterspiel, mindestens genauso ungeeignet. Hier wird neben dem finanziellen Verlust für den Verein auch der nicht zündelnde Fan bestraft, welcher aus dieser Ungerechtigkeit heraus dann auch eine Abneigung gegen den Verband entwickelt.
Über die Medien muss man bei diesem Thema eigentlich schon gar nicht mehr sprechen, zündeln bei Übertragungen durch Fans von nicht-Deutschen Vereinen ist in der Regel nord-, west-, ost- oder südländische Mentalität, in jedem Fall aber wird es nicht negativ gesehen. Ganz anders bei Fanszenen deutscher Vereine: dort ist dann von Chaoten und Pyro-Terror und schlimmerem die Rede. Auch werden nur allzu gerne Pyromanen mit Gewalttätern gleichgesetzt, was natürlich ebenfalls absoluter Quatsch ist.
Als sei das nicht schon genug gewesen um wieder ausreichend unnötige Zeitungsberichte zu erzeugen gab es dann auch noch dreiste Düsseldorfer Fans die im Freudentaumel einen Abseitspfiff für den Schlusspfiff hielten und zu früh auf den Platz stürmten.Hier ging es im Nachhinein erst richtig hoch her. Da saßen Hertha-Spieler, die sich 30 Minuten vorher in den Bengalo-Regen stellten, plötzlich “mit Todesangst leichenblass in der Kabine”, weil Fortuna-Fans ohne sich für sie zu interessieren am Feiern waren. Der Schiedsrichter “musste” das Spiel wieder anpfeifen, um “ein Blutbad zu vermeiden”. In den Medien wurden kurzerhand Platzstürme mit Gewaltmotiv, wie beispielsweise einen Tag zuvor in Karlsruhe, mit solchen aus Freude, wie eben in Düsseldorf, gleichgesetzt. Auch DFB und DFL wollten dabei nicht außen vor bleiben und bezogen sogleich Stellung zu den Vorkommnissen.
Sehr schön wird das Ganze auf tagesschau.de zerrissen: “2009 führte die DFL die Spiele wieder ein, um noch mehr Spannung und Emotionen zu erzeugen.” Und nun regt man sich darüber auf, dass die gewollten Emotionen, die sich auch gut an Sky und Co. verkaufen lassen, auch tatsächlich auftreten. Auch dieses Problem ist hausgemacht, denn eigentlich will man bei den Verbänden keine Emotionen. Das fängt bei der gelben Karte für Trikot ausziehen an und geht immer weiter, eben unter anderem auch beim Verbot, die Zuschauer in den Innenraum zu lassen. Fußball ist aber nun einmal eine emotionale Angelegenheit, daran werden auch keine Verbote was ändern, höchstens verschlimmern. Es wird auch zukünftig Platzstürme bei Aufstiegen geben, es wird auch zukünftig Pyroshows zu sehen geben. DFL und DFB ist die Möglichkeit gegeben hier das Gefahrenpotential soweit wie möglich heraus zu nehmen, in dem man sich mit den Fans ERNSTHAFT über Lösungen unterhält oder aber es weiterhin untersagen und zusehen, wie die Verbote verpuffen. Aber die Emotionen beim Fußball abschaffen kann man nur, wenn man den Fußball abschafft.




















